Inhaltsverzeichnis
- Was Martindale Scheuertouren für Gastro-Stoffe bedeuten
- Scheuerfestigkeit von Polsterstoffen: Richtwerte im Überblick
- Martindale-Testverfahren DIN EN ISO 12947 im Detail
- Gastro-spezifische Anforderungen: Brandschutz und Hygiene
- Pilling, Lichtechtheit und Reibechtheit richtig bewerten
- Langlebige Bezugsstoffe für die Hotellerie auswählen
- Pflege und Wartung von Objektstoffen im Alltag
- Fazit: Martindale Scheuertouren als Entscheidungsgrundlage
- Häufig gestellte Fragen
Zuletzt aktualisiert: 21. September 2026
Was Martindale Scheuertouren für Gastro-Stoffe bedeuten
Wer Polsterstoffe für die Gastronomie auswählt, stößt schnell auf eine Zahl, die über die Lebensdauer eines Bezugs entscheidet. Martindale Scheuertouren für Gastro-Stoffe erklärt bedeuten: Die Scheuertouren geben an, wie viele Reibzyklen ein Stoff aushält, bevor er sichtbar verschleißt. Für den gewerblichen Einsatz gilt ein Mindestwert von 40.000 Touren.
Martindale Scheuertouren sind das Ergebnis eines standardisierten Prüfverfahrens, bei dem ein Wollgewebe unter definiertem Prüfdruck über den Polsterstoff reibt, bis Faserabrieb oder Materialermüdung sichtbar werden.
Die Demotex GmbH hat für dieses Thema die wichtigsten Richtwerte, Normen und Objektanforderungen zusammengestellt. Denn die reine Tour-Zahl sagt wenig, wenn Brandschutz, Lichtechtheit und Reinigungsfähigkeit nicht dazu passen.
Hier erfahren Sie, welche Werte für Sitzmöbel in Restaurants, Hotels und repräsentativen Objekten gelten und woran sich ein wirklich strapazierfähiger Bezugsstoff erkennen lässt.
Scheuerfestigkeit von Polsterstoffen: Richtwerte im Überblick
Die Scheuerfestigkeit von Polsterstoffen wird heute fast überall in Martindale-Werten angegeben. Das macht Angebote vergleichbar, sagt aber nichts über die Eignung im konkreten Raum.
| Nutzungsbereich | Scheuertouren | Typische Möbel |
|---|---|---|
| Leichte private Nutzung | 10.000 bis 15.000 | Dekokissen, selten genutzte Sessel |
| Private Sofas | 25.000 bis 40.000 | Wohnzimmer-Sofas, Sessel |
| Stark beanspruchte Wohnbereiche | über 50.000 | Familienwohnzimmer, Esszimmer |
| Gewerbliche Nutzung | mindestens 40.000 | Gastronomie, Hotellerie |
| Öffentliche Bereiche | über 100.000 | Foyers, Wartebereiche, Lobbys |
Private Nutzung: 10.000 bis 40.000 Scheuertouren
Für Dekokissen und selten genutzte Möbel reichen laut Einstufung der Scheuertouren nach Nutzungsart bereits 10.000 bis 15.000 Touren. Sofastoffe im Wohnbereich sollten dagegen 25.000 bis 40.000 Martindale erreichen.
- 10.000 bis 15.000: Kissen, Zierpolster, selten genutzte Stücke
- 25.000 bis 30.000: normale Wohnnutzung
- 40.000 und mehr: Familien mit Kindern, Haustieren, intensiver Nutzung
Gewerbliche Nutzung: mindestens 40.000 Scheuertouren
In der Gastronomie liegt die Grenze klar bei 40.000 Touren. Empfohlener Mindestwert für strapazierfähige Polsterstoffe nennt genau diese Zahl als Untergrenze für den gewerblichen Bereich.
Stark frequentierte Zonen brauchen mehr. Für öffentliche Bereiche mit hoher Besucherzahl gelten über 100.000 Scheuerzyklen als Richtwert.
Ein Stoff mit 40.000 Touren erfüllt das Minimum, ist aber nicht automatisch objektgeeignet. Fehlt der B1-Brandschutz nach DIN 4102, darf der Bezug in vielen gastronomischen Bereichen gar nicht eingesetzt werden.
Martindale-Testverfahren DIN EN ISO 12947 im Detail
Das Martindale-Testverfahren ist in der Norm DIN EN ISO 12947 festgelegt und beschreibt, wie die Abriebfestigkeit von Textilien gemessen wird. Die Prüfmaschine bewegt ein Wollgewebe in einer Lissajous-Figur über die Probe.
Die Methode arbeitet standardisiert. Das heißt: Jedes Prüfinstitut kommt bei gleichem Stoff zum gleichen Ergebnis. Die Zahl der Reibzyklen korreliert direkt mit der Lebensdauer des Bezugs unter intensiver Nutzung, wie der Ratgeber zur Martindale-Methode beschreibt.
Geprüft wird bis zum ersten sichtbaren Fadenbruch. Zwei Fäden gebrochen, Test beendet. Die erreichte Zyklenzahl ist der Martindale-Wert.
Was viele nicht wissen: Die Norm kennt mehrere Prüfvarianten. Für Polsterstoffe ist die Variante mit definiertem Prüfdruck und genormtem Wollgewebe die relevante. Wer zwei Angebote vergleicht, sollte deshalb auf dieselbe Norm verweisen.
Gastro-spezifische Anforderungen: Brandschutz und Hygiene

In der Gastronomie entscheidet nicht die Tour-Zahl allein. Ein Bezug mit 80.000 Martindale kann im Objekt unbrauchbar sein, wenn er die falsche Brandschutzklasse trägt oder sich nicht reinigen lässt.
Brandschutz: Welche Normen im Objekt wirklich zählen
Für Polsterstoffe in gastronomischen und öffentlichen Bereichen ist das Brandverhalten eine eigene Prüfkategorie, unabhängig von der Scheuerfestigkeit. Relevant sind vor allem zwei Normenkreise:
- DIN 4102-1 (B1): Die klassische deutsche Baustoffklassifizierung. B1 steht für „schwer entflammbar“ und ist die Klasse, die in vielen Objektausschreibungen, Brandschutzkonzepten und behördlichen Auflagen gefordert wird.
- DIN EN 1021-1 und DIN EN 1021-2: Die europäische Prüfung für Polstermöbel. Teil 1 prüft die Entzündbarkeit durch eine glimmende Zigarette, Teil 2 durch ein Streichholz-ähnliches Zündmittel. Beide Szenarien sind im Gastronomiebetrieb realistisch.
Hygiene: Reinigungsfähigkeit als eigene Disziplin
Gastronomie bedeutet täglichen Kontakt mit Fett, Getränken, Speiseresten und Desinfektionsmitteln. Die Reinigungsfähigkeit eines Bezugs ist deshalb kein Nebenaspekt, sondern ein Auswahlkriterium erster Ordnung.
- Fleckenverhalten: Getränke, Öl und Saucen müssen sich mit klarem Wasser oder einem freigegebenen Reinigungsmittel entfernen lassen, ohne dass ein Rand bleibt.
- Reibechtheit: Der Stoff darf beim Abwischen nicht abfärben – besonders kritisch bei hellen Bezügen und dunklen Reinigungstüchern.
- Desinfektionsmittelbeständigkeit: Nicht jeder Objektstoff verträgt die im Betrieb üblichen Reinigungsmittel. Herstellerfreigaben sind hier verbindlich.
- Formstabilität: Polster dürfen auch nach Jahren intensiver Nutzung nicht durchsitzen. Ein Stoff mit hoher Scheuerfestigkeit, aber geringer Rückstellkraft verliert seine Form trotzdem.
Warum die Kombination entscheidet
Der Fachbeitrag zu Objektanforderungen an Polsterstoffe weist ausdrücklich darauf hin, dass hohe Scheuerfestigkeit ohne Brandschutz für den gewerblichen Einsatz nicht ausreicht. Genau hier trennt sich Objektqualität von Wohnqualität: Ein privater Sofastoff mit 50.000 Touren kann im Restaurant ungeeignet sein, weil ihm die Brandschutzklasse oder die Reinigungsfreigabe fehlt.
Fragen Sie beim Hersteller nach dem Prüfzeugnis, nicht nach der Zahl. Ein B1-Nachweis nach DIN 4102 ist eine Urkunde, keine Marketingangabe. Ohne dieses Dokument ist der Stoff im Objekt nicht verwendbar – und ohne DIN EN 1021-2 fehlt der Nachweis für das realistischste Zündszenario im Gastraum.
Raumbezogene Anforderungen: Bar, Lounge, Restaurant
Nicht jeder Gastrobereich stellt dieselben Anforderungen. Eine grobe Orientierung:
- Restaurantbestuhlung: mindestens 40.000 Touren, B1 nach DIN 4102, gute Reibechtheit, Fleckenschutz.
- Bar und Theke: hohe Beanspruchung durch häufiges Auf- und Absteigen, zusätzlich Kontakt mit Flüssigkeiten – robuste, leicht reinigbare Bezüge mit hoher Lichtechtheit.
- Lounge und Wartebereich: lange Verweildauer, hohe Frequenz, oft direkte Sonneneinstrahlung – über 100.000 Touren, geprüfte Lichtechtheit, formstabile Polsterung.
- Tagungs- und Veranstaltungsräume: wechselnde Nutzung, häufige Umstellung – robuste Bezüge mit guter Reinigungsfähigkeit und hoher Reibechtheit.
Wer diese drei Ebenen – Brandschutz, Hygiene, raumbezogene Belastung – zusammen prüft, trifft eine Objektentscheidung, die über die reine Martindale-Zahl weit hinausgeht.
Pilling, Lichtechtheit und Reibechtheit richtig bewerten
Martindale-Werte sind nicht das alleinige Qualitätsmerkmal. Ein Stoff kann 80.000 Touren aushalten und trotzdem nach zwei Jahren verfilzt oder ausgeblichen aussehen. Vier Parameter entscheiden mit – und jeder wird mit einer eigenen Prüfmethode gemessen.
Pilling: Warum Abrieb und Knötchenbildung zwei verschiedene Dinge sind
Pilling bezeichnet die Knötchenbildung auf der Stoffoberfläche durch Faserabrieb und Verfilzung. Es ist das Ergebnis eines anderen Prüfverfahrens als der Martindale-Test – üblicherweise nach DIN EN ISO 12945 (Pilling- und Snagging-Neigung).
Besonders anfällig sind:
- Mischgewebe mit kurzen Faserlängen, bei denen sich lose Fasern leichter verhaken.
- Wollmischungen mit hohem Anteil feiner Fasern, die unter Reibung aufrauen.
- Stoffe mit lockerer Bindung, bei denen Fasern leichter an die Oberfläche wandern.
Lichtechtheit: Skala, Prüfung, Praxis
Die Lichtechtheit beschreibt, wie stark ein Stoff unter UV-Licht verblasst. Gemessen wird sie in der Regel nach DIN EN ISO 105-B02 auf einer Skala von 1 bis 8 – wobei 8 bedeutet, dass der Stoff praktisch nicht ausbleicht, und 1 für starke Veränderung steht.
Reibechtheit: Warum sie gerade bei hellen Bezügen kritisch ist
Die Reibechtheit gibt an, ob ein Stoff beim Abwischen Farbe abgibt. Geprüft wird üblicherweise nach DIN EN ISO 105-X12 auf einer Skala von 1 bis 5. Ein Wert von 4 oder 5 bedeutet, dass der Stoff beim Reiben kaum abfärbt.
In der Gastronomie ist das besonders relevant, weil:
- Helle Bezüge durch abfärbende Reinigungstücher oder Kleidung schnell unansehnlich werden.
- Dunkle Bezüge auf helle Kleidung der Gäste abfärben können – ein echter Service- und Beschwerdegrund.
- Tägliches Abwischen mit Reinigungsmitteln die Faseroberfläche dauerhaft belastet.
Waschbarkeit und Pflegefreigabe
Manche Objektstoffe sind nur mit Spezialreinigung haltbar, andere sind feucht abwischbar, wieder andere nur trocken zu reinigen. Die Herstellerfreigabe ist hier verbindlich – falsche Reinigungsmittel greifen die Faser an und senken die Abriebfestigkeit messbar.
Die vollständige Bewertung
Für die Hotellerie kommt ein weiterer Punkt dazu. Hinweise zur Haltbarkeit von Objektstoffen empfiehlt für stark beanspruchte Wohn- und Objektbereiche über 50.000 Scheuerzyklen, kombiniert mit geprüfter Lichtechtheit.
Die vollständige Bewertung eines Gastro-Stoffs umfasst damit mindestens:
- Martindale (DIN EN ISO 12947): mechanische Scheuerfestigkeit
- Pilling (DIN EN ISO 12945): Knötchenbildung
- Lichtechtheit (DIN EN ISO 105-B02): Farbstabilität unter UV
- Reibechtheit (DIN EN ISO 105-X12): Abfärben beim Wischen
- Brandschutz (DIN 4102-1, DIN EN 1021): Entflammbarkeit
Langlebige Bezugsstoffe für die Hotellerie auswählen
Langlebige Bezugsstoffe für die Hotellerie erkennt man an drei Merkmalen: hoher Scheuerfestigkeit, B1-Brandschutz und einfacher Reinigung. Fehlt eines davon, sinkt die Lebensdauer im Objekt deutlich.
- Hotelzimmer: mindestens 40.000 Touren, dazu Reibechtheit und Fleckenschutz
- Restaurantbestuhlung: mindestens 40.000 Touren plus B1
- Lobby und Bar: über 100.000 Touren, hohe Lichtechtheit
- Tagungsräume: robuste Bezüge mit guter Reinigungsfähigkeit
Für die Hotellerie zählt die Kombination, nicht der Spitzenwert. Ein Stoff mit 50.000 Touren und B1-Brandschutz ist im Objekt wertvoller als einer mit 100.000 Touren ohne Zertifizierung.
Pflege und Wartung von Objektstoffen im Alltag
Pflege und Wartung von Objektstoffen entscheiden darüber, ob ein Bezug seine Scheuerfestigkeit überhaupt erreicht. Selbst der beste Polsterstoff verliert an Lebensdauer, wenn er falsch behandelt wird.
Die wichtigsten Regeln:
- Flecken sofort mit klarem Wasser aufnehmen, nicht reiben
- Nur die vom Hersteller freigegebenen Reinigungsmittel verwenden
- Polster regelmäßig absaugen, bevor Schmutz in die Faser wandert
- Bei Flüssigkeiten von außen nach innen tupfen
- Sitzflächen turnusmäßig drehen, um einseitige Belastung zu vermeiden
Fazit: Martindale Scheuertouren als Entscheidungsgrundlage
Martindale Scheuertouren sind ein gutes Werkzeug, aber kein fertiges Urteil. Sie sagen, wie viel Reibung ein Stoff aushält. Sie sagen nicht, ob er im Restaurant eingesetzt werden darf.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet ein Martindale-Wert von 100.000 Scheuertouren?
Ein Wert von 100.000 Martindale-Scheuertouren steht für eine sehr hohe Abriebfestigkeit und eignet sich für stark frequentierte Umgebungen wie Hotel-Lobbys, Konferenzbereiche oder öffentliche Wartebereiche. Der Polsterstoff hält dort laut Scharr Büro (2024) auch intensiver Dauerbelastung stand, ohne dass die Oberfläche sichtbar ermüdet. Für die Ausstattung von Gastronomie und Hotellerie ist ein solcher Bezugsstoff eine Investition in lange Nutzungszyklen.
Welche Martindale-Werte sind für den privaten Gebrauch im Vergleich zur Hotellerie üblich?
Für leichte private Nutzung gelten laut Bemz (2024) 10.000 bis 15.000 Scheuertouren als ausreichend, etwa für Dekokissen. Für Sofastoffe im Wohnbereich empfiehlt Stebofo (2024) 25.000 bis 40.000 Martindale. In der Hotellerie und Gastronomie liegt der Mindestwert laut Gastro-Moebel.com (2024) bei 40.000 Scheuertouren, stark beanspruchte Bereiche benötigen über 50.000 bis 100.000 Touren.
Wie wird das Martindale-Verfahren zur Prüfung von Stoffen durchgeführt?
Beim Martindale-Testverfahren nach DIN EN ISO 12947 wird der Bezugsstoff unter definiertem Prüfdruck gegen ein Standard-Wollgewebe gerieben. Laut BV-Stapelstuhl (2024) entsteht dabei eine Lissajous-Bewegung, die Reibung in alle Richtungen simuliert. Die Anzahl der Reibzyklen bis zum sichtbaren Faserabrieb ergibt den Martindale-Wert. Das standardisierte Verfahren macht Ergebnisse verschiedener Polsterstoffe direkt vergleichbar.
Welchen Einfluss hat die Materialzusammensetzung auf die Martindale-Bewertung?
Die Faserart bestimmt, wie widerstandsfähig ein Polsterstoff gegenüber Abrieb ist. Dicht gewebte Materialien mit hohem Synthetikanteil erreichen häufig höhere Martindale-Werte als lose gewebte Naturfasern. Der Martindale-Wert allein reicht jedoch nicht als Qualitätsmerkmal: Brandschutz nach DIN 4102 B1, Lichtechtheit und Reinigungsfähigkeit sind bei Objektstoffen zusätzlich wichtige Kriterien.